|

Blue Creek ist eine der beiden großen
Mennoniten-Gemeinden im Orange Walk Distrikt. Sie liegt 30
Meilen von der Stadt Orange Walk entfernt. Auf dem Weg nach Blue Creek
fallen die ehemaligen Zuckerrohrfelder auf, auf denen heute Hirse und Mais
angebaut wird. Auch hier haben die Mennoniten bewiesen, dass sie sehr
effektive Landwirte sind.
Die Mennoniten in Blue Creek haben
sich im Gegensatz zu denen in Shipyard dafür entschieden, modernes Ge-rät
einzusetzen. Sie haben den Rio Bravo aufgestaut und einen Kanal gebaut, um
ihr kleines Wasserkraftwerk zu be-treiben. Ein besonderes Problem lösten
sie dabei auf ihre ganz eigene Weise: Sie wussten, dass sie den Wasserfluss
am einfachsten hydraulisch regulieren konnten. Aber sie hatten nicht die
entsprechende technische Ausstattung. Da erwarben sie kurzerhand das Wrack
eines am internationalen Flughafen von Belize City abgestürzten
Frachtflugzeuges, einer propellergetriebenen Constellation. Sie bauten die
Hydraulik aus und montierten sie zur Wasserregulierung. Auch der
Flugzeugrumpf wird genutzt - als Scheune. Außer der Landwirtschaft widmen
sich einige Mennoniten der Region auch der Möbeltischlerei.
Die Hälfte der Mennoniten-Gemeinde
in Blue Creek gehört der Evangelical Mennonite Mission Church an, die andere Hälfte
hat sich für die Kleine Gemeinde entschieden. Die Mennoniten, die immer
noch ihr Plattdeutsch sprechen, gelten als die "Stillen im
Lande". Sie unterhalten ihre eigenen Schulen, Kirchen und Banken und
sind vom Militärdienst ausgenommen. Im Straßenbild sind die Mennoniten
stets leicht auszumachen: Die Männer und Jungen tragen blaue Latzhosen und
Strohhüte, die Frauen Kleider aus bedruckten Stoffen und Hauben mit breiter
Krempe.

Die Ursprünge mennonitischen
Glaubens reichen bis ins 16. Jahrhundert in die Schweizer Alpen zurück, dort lebten
Mitglieder einer der frühesten protes-tantischen Sekten. Der eigentliche
Sektengründer war der friesische Priester Menno Simons, der 1531 die Glau-bensgemeinschaft
als Gruppe von Anabaptisten formte. Die Mennoniten - und das tun sie
unverändert - lehnten es ab, Regierungspositionen zu übernehmen und
Wehr-dienst zu leisten. Sie legen keinen Eid ab und praktizieren die
Erwachsenentaufe. Da sie kontinuierlich wegen ihres Glaubens verfolgt
worden, bildeten sie sehr geschlossene Gemeinschaften in Polen, den
Niederlanden, im südlichen Russland und in den USA.
In den 70er Jahren des 19.
Jahrhunderts wanderten viele Mennoniten aufgrund wachsenden Drucks aus
Russland nach Manitoba in Kanada und Pennsylvania in den USA aus. Als in Kanada die
Regierung wollte, dass die Kinder der Mennoniten öffentliche Schulen
besuchen und Englisch lernen sollten, verließen viele um 1920 das Land und
zogen nach Mexiko und Südamerika weiter. Ende der 50-er Jahre suchten die
Mennoniten neues Farmland. Sie entschieden sich für Belize, das damals noch
Britisch-Honduras hieß.
Erste Mennoniten - rund 350
Familien - trafen 1958 in Belize ein. Sie siedelten sich in unbewohnten
Gebieten im Orange Walk, Corozal und Cayo Distrikt an. Ihr Land-besitz
wuchs auf eine Fläche von 60.700 Hektar an, die sie sehr erfolgreich
be-wirtschaften.
In Spanish Lookout im Cayo Distrikt
eröffneten sie die erste Hühnerfarm. Als erfahrene Hühnerzüchter sorgten sie
mit ihrer Eierproduktion dafür, dass der Eierpreis in Belize dramatisch
fiel. Mennoniten produzieren große Mengen Früchte, Gemüse, Milch und Käse.
Sie sind auch geschickte Möbeltischler, wie man sich jeden Freitag in
Belize City überzeugen kann: Dann bieten sie ihre Tische, Stühle und
Schränke in der Front Street an.
|